Prüfungstag. Der große Tag. Aufregung. Ich stand morgens auf, schlaftrunken, müde – aber dennoch mit dem festen Entschluss «durchzukommen». Aufgeregt war ich wirklich gar nicht – OK – ein bisschen, vielleicht… Um 10:30 fuhren wir los nach Hersbruck, wo die Prüfung stattfinden sollte. Ich habe die Gebühr bezahlt und gewartet. Wir waren da, doch der Herr Prüfer nicht. Quälende Minuten, Stunden, Jahre musste ich über mich ergehen lassen, mahnende und beruhigende Menschen, die mir Mut zusprachen. Schließlich ließ mich Markus einsteigen, um alles einzustellen. Mein Vater ging mit zum Auto, ich stellte alles ein und harrte aus – schließlich kam Markus und holte mich, da ich nur alles einstellen und nicht im Auto warten sollte. Ich ging also zurück und wartete mit meinem Vater auf der Bank. Plötzlich kam ein Auto und parkte. Lange herrschte Unklarheit: Steigen die aus, halten die ein Kaffeekränzchen ab? Schließlich stiegen alle drei Insassen aus, darunter ein Mädchen mit einem rosafarbenen Zettel – rosa mochte ich nie, und dennoch wollte ich solch einen Zettel haben. Der ältere Herr von der Rückbank kam zu uns, stellte sich vor und betrachtete meinen Personalausweis: «Hallo Herr Krause, steigen Sie schonmal ein und stellen Sie Sitz, Spiegel und so weiter ein!» – «OK!», hab ich zwar schon, aber egal.
Dann, wenig später, was mir jedoch dennoch wie Stunde vorkam, sind wir losgefahren – ich war nimmer mehr nervös. Ein Bus vor mir: hinter dem Bus angehalten. Abknickende Vorfahrt rechts: Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker rechts, Schulterblick; an der Kreuzung rechts: Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker rechts. Schulterblick; gerade aus, ein Fußgängerüberweg: «Sind da Fußgänger?» dachte ich, habe dreimal links-rechts geschaut, keiner da, bin weiter gefahren. Abknickende Vorfahrt rechts: Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker rechts, Schulterblick; Kreisverkehr erste Ausfahrt raus: Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker rechts, Schulterblick; und an der folgenden Kreuzung links: Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker links, in zweiten Gang geschalten, Schulterblick; den Berg rauf, zweite rechts: Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker rechts, Schulterblick.
Gefährliche X-Kreuzung: Geschwindigkeit verlangsamt, beobachtet, alles OK, weiter. Nächste links in eine 30er Zone: Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker links, heruntergebremst, zweiter Gang, Schulterblick und Berg rauf. Zwei rechts-vor-links-Situationen beobachtet, heruntergebremst, Bremsbereitschaft gezeigt und weiter. Oben angekommen hieß man mich links abzubiegen; gesagt getan: Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker links, erster Gang, Schulterblick. An der nächsten Kreuzung links hieß es: Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker links, Vorfahrt beachtet, in die Kreuzung getastet, Schulterblick, abgebogen. Später: Hier bitte rechts, in den verkehrsberuhigten Bereich: Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker rechts, Schulterblick. Es ging den Berg hinauf. Plötzlich, nach einem weiteren Linksabbiegen: eine Einbahnstraße: «Wenn er mich links abbiegen lässt, dann muss ich mich gaaaanz links einordnen» – man hieß mich abermals, links abzubiegen, ich ordnete mich gaaaanz links ein, bremste herunter, Innenspiegel, Außenspiegel, Blinker links, Schulterblick, ich bog ab.
Oben angekommen sollte ich geradeaus fahren. Das tat ich – man hieß mich erneut, links abzubiegen, ich tat dies abermals. Plötzlich wurde alles langsamer, ich versank plötzlich in einer Dunkelheit. Diese Weggabelung, so unübersichtlich. Gestern war ich hier, was soll ich nur tun? Hier, dort oder doch da einordnen? Anhalten? Überlegen? Die zeit floh und floh und zerrann mir buchstäblich zwischen den Fingern, während ich das leise rattern in den Köpfen der beiden hörte und mir fast einredete, sie dächten «Haha, jetzt fällt er durch!» oder «Nein, nicht rechtsrum, LINKS du Idiot!». Schnell hatte mich die Realität wieder, als der Prüfer sagte «Halten Sie bitte mal an, Herr Krause.» – Stille – «Wo soll denn hier der Verkehr von links reinfahren?» – «Da, neben uns…» – «Aha? Und wo stehen Sie?» – Scheiße. Gegenverkehr – «Na, ähm…» – «Sie haben sich im Gegenverkehr eingeordnet, das ist ein grober Fehler. Auch wenn Sie bisher tadellos gefahren sind, kann ich das leider, und wenn ich noch so will, nicht durchgehen lassen. Wir müssen leider zurück. Herr Lukazc gibt die Anweisungen zur Heimfahrt.» Aus. Ende. Vorbei. Nacht. 10 Minuten vor Ende. Nur den Berg runter, etwas geparkt, und zurück. Das wär‘s noch gewesen, hat Markus gesagt… Scheiße.
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